Die reformierte Verwandtschaft

Zu Besuch bei der Reformierten Gemeinde in Lille 2011
Vom 20. bis 23. Oktober hat eine Gruppe unserer Gemeinde die Evangelisch-reformierte Gemeinde in Lille besucht. Das Grußwort, das Elke Oetting im Gottesdienst gesprochen hat, gibt einen schönen Eindruck von diesen erfüllten Tagen wieder.


Fotos von Renate Singer, Jürgen Bittner und Klaus Kuhlmann

Wir veröffentlichen das Grußwort hier in der deutschen und französischen Fassung:

„Liebe Freunde,
Mit einem Herzen voller Freude und Dankbarkeit wende ich mich heute morgen an Sie.

Wir sind vor vier Tagen in Lille angekommen und haben inzwischen einen so wunderbaren Aufenthalt  verlebt, dass es schade ist, dass er nicht länger dauert.  Unsere Gruppe ist mit offenen  Armen empfangen worden, wir waren wirklich willkommen bei den Sch’tis.

Inzwischen haben wir Ihre schöne Stadt mit den vielen prächtigen Häusern aus unterschiedlichen Epochen besichtigt. Da versteht man sehr gut, warum Lille 2004 den Titel Kulturhauptstadt  Europas erhalten hat.

Wir können mit Stolz sagen, dass wir das zweitgrößte Kunstmuseum Frankreichs nach dem Louvre besichtigt haben. Wir wären etwas verloren gewesen in dem riesigen Haus, aber mit unserem Führer-Restaurator William Whitney konnten wir die Bilder auf neue Weise sehen, gewissermaßen mit den Augen des Restaurators. Ein ganz besonderes Abenteuer.

Wir haben die Begegnungsabende mit einigen Mitgliedern Ihrer Gemeinde sehr zu schätzen gewusst, da er uns Gelegenheit gegeben hat, etwas über Ihre Situation und Ihre Probleme zu erfahren und Ihnen auch von uns zu berichten. Es war wichtig für uns, etwas über die Geschichte der reformierten Protestanten in Lille zu hören. Es war eine Freude, mit einigen von Ihnen auch persönlich zu sprechen. Mir scheint, dass der persönliche Kontakt entscheidend für das Verständnis ist.

Gestern haben wir mit einigen von Ihnen einen schönen Ausflug nach Tournai gemacht.
Diese 2000jährige Stadt hat uns sehr beeindruckt., vor allem der historische Kern. Und wir konnten dort den Spuren der Reformierten folgen und etwas über ihr Schicksal erfahren. Bei unserem Stadtrundgang war Eric der absolut perfekte Reiseleiter für uns (Ausländer), da seine Erklärungen so klar und deutlich waren. Er weiß alles und hat alle unsere Fragen geduldig beantwortet. Vielen Dank, Eric.

Der Abend, typisch für die Region, war auch ein besonderer Höhepunkt. Wir bekamen einen Eindruck von der flandrischen Ebene, wir konnten die regionale Küche probieren und viel Bier trinken, und wir haben Spiele gespielt, die wir vorher nicht kannten. Wir haben uns amüsiert und gelacht wie die Kinder.

Und heute sind wir hier in Ihrer Kirche, um gemeinsam den Gottesdienst zu feiern.

Es ist ein tröstliches und gutes Gefühl, dass Sie hier sind, dass wir denselben Glauben und dieselben religiösen Überzeugungen teilen, dass unsere beiden Gemeinden sich in Gedanken und im Gebet vereinigen können.

Lassen Sie uns eine Verbindung schaffen, lassen Sie uns eine Brücke bauen zwischen unseren beiden Gemeinden, die sich in den kommenden Jahren verstärken soll. Lassen Sie uns eine Tradition beginnen in Gedanken, im Gebet und natürlich durch unsere Begegnungen.

Wir haben hier so eine gute Aufnahme gefunden, und Sie sind in der gleichen Weise sehr willkommen bei uns. Im Grunde sind wir auch ein bisschen sch’tis,  da wir Leute aus dem Norden Deutschlands sind. Also willkommen bei den Sch’tis vom anderen Ufer des Rheins. (Nebenbei bemerkt, sind es bei uns eher die Süddeutschen, die ein unverständliches Sch’ti sprechen.)

Im Namen der Gruppe danke ich Ihnen für Ihre freundschaftliche Gastlichkeit, für alles, was Sie für uns getan haben. Von ganzem Herzen vielen Dank!“


„Chers amis,
C’est avec un coeur plein de joie et de reconnaissance que je m’adresse à vous ce matin.

Nous sommes arrivés à Lille il y a quatre jours et depuis nous avons passé un séjour  si merveilleux que c’est  vraiment dommage  que ca ne dure pas plus longtemps.
Notre groupe a été recu à bras ouverts, nous étions vraiment bienvenus chez les ch’tis.

Entre temps, nous avons visité votre belle ville avec tant de bâtiments magnifiques. Alors on comprend très bien pourquoi Lille a recu le titre de capitale culturelle d’Europe en 2004.

Nous pouvons dire avec fièrté que nous avons visité le deuxième Musée des Beaux Arts en France après le Louvre. On aurait peut-être été un peu perdu, mais avec notre guide- restaurateur William Whitney on a pu voir les peintures d’une facon nouvelle, par les yeux du restaurateur, pour ainsi dire. C’était une aventure spéciale.

Nous avons beaucoup apprécié les soirées de rencontre avec des membres de votre église pour connaître un peu votre situation et vos problèmes et pour vous parler des nôtres. C’était important pour nous d’apprendre quelque chose sur l’histoire des protestants réformés à Lille. C’était aussi un plaisir pour nous de parler personnellement à quelques uns d’entre vous. Il me semble que le contact personnel est essentiel pour comprendre.

Hier nous avons fait une belle excursion  à Tournai avec quelques membres de votre église.  Cette ville vieille de 2000 ans nous a beaucoup impressionnés, surtout  le centre historique. Et nous avons pu y suivre les traces des protestants réformés et  connaître leur destin. Il faut dire qu’Eric était le guide parfait pour nous, avec ses explications claires et précises. Il sait tout et a répondu patiemment à toutes nos questions. Merci, Eric.

La soirée régionale hier soir avait une qualité spéciale aussi. On a eu une impression des plaines de Flandre, on a pu goûter des plats régionaux et boire beaucoup de bière, et nous avons joué à des jeux jusque-là inconnus, riant et nous amusant comme des gosses.

Et aujourd’hui nous sommes ici dans votre église pour célébrer le culte ensemble.

Cela nous rassure et réconforte que vous soyez ici, que nous puissions partager la même foi et les mêmes convictions religieuses, et que nos deux églises  puissent s’unir dans la pensée et la prière.

Faisons un lien, construisons un pont entre nos deux congrégations qui pourrait se fortifier au cours des années à venir. Commencons une tradition par la pensée commune, la prière et, bien sûr, par les rencontres.

Nous avons trouvé ici un si bon accueil, et vous êtes également très bienvenus chez nous. Nous sommes, vous savez, aussi un peu ch’tis parce que nous sommes des gens du nord de l’Allemagne. Alors, bienvenus chez les ch’tis d’outre-Rhin. (Il faut dire d’ailleurs que chez nous ce sont plutôt les Allemands du sud qui parle le ch’ti assez incompréhensible.)
Au nom du groupe, je vous remercie de toute votre  hospitalité, de tout ce que vous avez fait pour nous, de toute votre amitié. Merci de tout coeur, merci.

Au nom du groupe, je vous remercie de toute votre hospitalité et de votre amitié. Merci de tout coeur, merci.“ 

 
Reformierte zu Besuch aus Lille 2010




Unter dem Motto „Auf den Spuren der Hugenotten“ waren Mitglieder der reformierten Gemeinde aus Lille (Frankreich) Ende Oktober 2010 zu Gast in Braunschweig. Sie waren auf der Suche nach Zufluchtsorten, die französische Emigranten nach der Vertreibung durch Ludwig XIV. in unserer Region fanden. Die Gruppe machte dazu Station in Blomberg (Lippe), Bad Karlshafen und in Braunschweig / Wolfenbüttel.

Lille, Hauptstadt des französischen Flandern, gehörte zur Zeit der Reformation zu den spanischen Niederlanden. Eine starke Reformationsbewegung in den Städten dieser Region wurde mit Gewalt unterdrückt. Der Braunschweiger Schriftsteller Wilhelm Raabe hat den Protestanten dieser Epoche, den „Geusen“, mit seiner Novelle „die schwarze Galeere“ ein Denkmal gesetzt.

Die Gemeinde in Lilie umfasst heut 501 Haushalte und ist geprägt durch Zuwanderer aus Afrika, Europa und ganz Frankreich. Der konfessionelle Hintergrund der Mitglieder ist durch lutherische, methodistische, evangelikale, presbyterianische und reformierte Wurzeln vielfältig. Viele Katholiken haben sich der Gemeinde angeschlossen, weil sie hier auf ihrer spirituellen Suche Beheimatung erfahren.

Die Gemeindeaktivitäten beziehen nach einer Phase des Wiederaufbaus zunehmend die Öffentlichkeit ein, z.B. durch Konzerte. Neben klassischen Arbeitsfeldern von Gottesdiensten, Unterweisung und Hausbesuchen sind die Jugend-, Studenten- und Altenarbeit ein besonderes Anliegen.

Auszüge aus dem Gemeindeblatt der ev.-ref. Gemeinde Braunschweig, Oktober 2010
Autor: Eckhart Altemüller


 


 


Weltgemeinschaft der reformierten Kirchen

Im Juni des Jahre 2010 fand in Michigan, USA die Generalversammlung der weltweiten reformierten Kirchengemeinschaft statt. Auf der Tageordnung standen die Themen „Einheit“ und „Gerechtigkeit“ ganz oben. Die ca. 600 Delegierten der Versammlung haben in der zehntägigen Versammlung beraten, wie die Reformierten in den nächten sieben Jahren zusammen arbeiten und leben wollen und welche Aufgaben sie als Kirchen in der Welt übernehmen wollen.

Pastorin Sabine Dreßler war als Mitglied des Gottesdienstkomitees dabei und hat viele Eindrücke und Bilder mitgebracht, ebenso viele neue Lieder aus der Ökumene, die jetzt auch in unserer Gemeinde gesungen werden.

Beitrag von Pastorin Dreßler-Kromminga

  • Weltgemeinschaft reformierter Kirchen

    Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) vereint rund 80 Millionen Christinnen und Christen in der ganzen Welt. Sie sind sich einig in ihrer Verpflichtung, zu Veränderungen in den kritischen Bereichen unserer Zeit beizutragen: Klimawandel, Menschenrechte, wirtschaftliche Gerechtigkeit und Beistand für unseren Nächsten, welchen Glaubens er/sie auch sei.